| 1 BESTIMMUNGSGRÜNDE EINER ORGANISATIONALEN NEUERUNG IM EINZELHANDEL Seit etwa zehn Jahren wird eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Konsumgüterindustrie und Einzelhandel, insbesondere in der Lebensmittelbranche,01) diskutiert. Unter dem Begriff Category Management02) werden in Theorie und Praxis Ansätze einer Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel zusammengefasst, deren wesentliches Merkmal die Steuerung von Warengruppen als strategische Geschäftseinheiten (SGE) ist. Die Diskussion des Konzeptes wird von folgenden Fragestellungen geleitet:
(1) Fragmentierung der Märkte Eine Änderung des Konsumentenverhaltens bedingt:
(2) Produktvielfalt und Preisstagnation
(3) Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) Die zehn größten Unternehmen des LEH setzten 1994 73,8 % und 1995 78,9 % des Branchenumsatzes um,07) wobei bereits 1998 rund 90% des Umsatz auf sieben Unternehmen,08) und 2001 rund 80% auf die fünf größten Unternehmen entfielen.0) Zahlenangaben sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da aufgrund unterschiedlicher Sortimente der verschiedenen Betriebstypen Warenumsätze außerhalb des NuG- sowie Drogeriebereiches mit einfließen. (4) Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Techniken) Durch folgende Entwicklungen können Handelsbetriebe vertikale und horizontale Informationsvorsprünge realisieren, so dass die Information zum Betriebsfaktor sui Generis wird.10)
(5) Vorherrschende Strukturen der Hersteller-Handelsbeziehungen Bislang sind die Hersteller-Handelsbeziehungen durch Jahresgespräche von Key Account Managern12) auf Herstellerseite und Einkäufern auf Handelsseite geprägt. Mit der Entwicklung des DPR-Konzepts (Direkete Produktrentabilität)13) sowie des Trademarketing wurde bisher eine intensive Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel auf der Basis eines überwiegend einseitigen Informationsflusses vom Handel zum Hersteller forciert. |
| 2 BASIS VON HERSTELLER-HANDELS-BEZIEHUNGEN Die aufgezeigten Rahmenbedingungen im LEH veranschaulichen eine für Hersteller- sowie Handelsunternehmen unbefriedigende Situation. Mit dem Category Management als Lösungsansatz sollen vornehmlich nachstehende Ziele verfolgt werden:
Abbildung 2?1: CM-Definitionen
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| 3 ELEMENTE DES CATEGORY MANAGEMENT 3.1 Die Category Bisher wurde nicht deutlich, ob eine Category eine Warengruppe im handelsbetrieblichen Sinne umfasst. Warengruppen stellen entsprechend der Sortimentspyramide eine Zusammenstellung von Artikeln dar. Nach dem Ansatz des Customer Need Management werden Categories wie folgt definiert: Produkte, von denen der Kunde glaubt, dass sie zusammengehören, werden zu einer Gruppe zusammengefasst.21) Diese Definition erscheint jedoch vage. Überdies werden von unterschiedlichen Kundengruppen unterschiedliche Produkte als zusammengehörend wahrgenommen. Ansatzpunkte zur Bildung von Sortimentseinheiten bieten folgende Gestaltungsprinzipien:22)
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| 3.2 Der Category Manager und seine organisatorische Einbindung Im Idealfall sollte ein Category Manager die Warengruppenverantwortung tragen. Dabei lassen die meisten Quellen im Unklaren, in welchem Betrieb (Hersteller oder Handel) der Category Manager angesiedelt sein soll. Da ein Handelsunternehmen die den Betrieb prägende Sortimentspolitik nicht ausgliedern wird, kann der Category Manager nur auf Handelsseite angesiedelt sein. Die Zusammenarbeit mit den einzelnen Herstellern soll in multifunktionalen Category Teams oder Customer Business Development Groups erfolgen, wobei deren Mitglieder teilweise im Handelsunternehmen untergebracht sind.28) Obwohl einige Quellen die Verschmelzung von Einkaufs- und Verkaufsaufgaben als Bereiche des Category Managers herausstellen,29) sehen andere Autoren die Aufgabe des Bestandsmanagements und des Einkaufs nicht als typische Bereiche des Category Managers.30) Als Aufgaben des Category Managers lassen sich zusammenfassen:
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| 3.3 Der Category-Managementprozess Der Category Managementprozess lässt sich in fünf Phasen gliedern:33)
Darüber hinaus verwenden Handelsbetriebe nach Ergebnissen einer ECR-Studie aus dem Jahr 1999 überwiegen folgende Informationen; in Klammern der Prozentsatz der befragten Handelsbetriebe, welcher die jeweilige Information nutzt.40)
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| 3.4 Prozessuale Unterstützung des CM durch Efficient Consumer Response (ECR) Das Category Management wird als organisatorische Voraussetzung einer neuen Form der Zusammenarbeit zwischen Hersteller- und Handelsunternehmen betrachtet, welche eine wirtschaftsstufen-übergreifende Verbesserung der Wertschöpfung durch eine effiziente Kundenorientierung (Efficient Consumer Response; ECR) zum Ziel hat.41) Durch einen präzisen und papierlosen Austausch von Informationen (Efficient Information - EI) mittels Electronic Data Interchange (EDI) sollen dabei neben einer bedarfsgerechten und kontinuierlichen Versorgung der Konsumenten die Administrations-, Logistik-, Kapital- sowie Marketingkosten erheblich reduziert werden. ECR werden vier Substrategien zugeordnet:42)
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Das Konzept des ECR hat seine Wurzeln in der US-amerikanischen Lebensmittelindustrie, die durch eine große Ineffizienz der Logistik gekennzeichnet ist.45) Während in den USA das erste ECR Projekt 1992 vom Food Marketing Institute initiiert wurde,46) konstituierte sich in der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1995 unter organisatorischer Leitung der Centrale für Coorganisation GmbH Köln (CCG) ein ECR-Lenkungsausschuss mit folgenden Beteiligten:47)
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| 4.2 Category Management in der Herstellerpraxis Die LORENZ BAHLSEN SNACK-WORLD GmbH & Co GK ist eines der vielen Markenartikelunternehmen der Lebensmittelbranche, die heute Category Management (im Einzelhandel) einsetzen (wollen).50) Dabei stehen vier Erfolgsfaktoren in der Warengruppe salzige Knabberartikel im Mittelpunkt:
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| 4.3 Neuere Entwicklungen Das seit Beginn der 90er Jahre beständig fortentwickelte Kooperationskonzept unterliegt einer stetigen Anpassung. So wurde im Mai 2000 die Arbeitsgruppe Day-to-Day-Category Management beim Branchenorgan ECR51) mit dem Ziel der Arbeitssimplifizierung gegründet. Die beteiligten Unternehmen rekrutieren sich wiederum aus den Top 10 von Handel und Industrie: BEIERSDORF / COCA COLA / FERRERO/ HENKEL / JOHNSON & JOHNSON / KRAFT FOODS / OETKER / PROCTER & GAMBLE, METRO, A.C. NIELSEN.52) Ebenso ist ein Übergreifen auf weitere, stark markenbezogene Branchen zu verzeichnen. Beispielsweise arbeiten Pharmagroßhandel und Apotheken mit Category Management53) - trotz völlig anderer Struktur; hier treffen wenige Markenartikler (z.B. MERCK, BAYER) auf viele, relativ kleine Anbieter, nicht zuletzt wegen des Apothekergesetzes. Ebenso sind CM-Ansätze in der markengeprägten PC-Peripherie wie Drucker und Scanner zu verzeichnen. So betreibt HEWLETT PACKARD ein ausgeprägtes Category Management für sein Leistungsprogramm um Print, Scan und Copy.54) Eine weitere Entwicklung ist die Einbindung von Webtechnologien wie XML.55) So bietet eine Vielzahl an Softwarehäusern webbasierte CM-Applikationen an. Eigentlich überflüssig: Haben sich doch die beteiligten Unternehmen im Rahmen des ECR-Lenkungsausschusses längst auf Standards der Datenübertragung geeignet. |
| 5 KRITISHE WÜRDIGUNG 5.1 Die Leistungsfähigkeit des CM aus der Sicht der Konsumgüterindustrie Aus Herstellersicht sind folgende Zielsetzungen zu nennen, die sich mit Category Management verwirklichen lassen:
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| 5.2 Die Leistungsfähigkeit des CM aus der Sicht des Einzelhandels Aus Handelssicht sind insbesondere die
In der Handelspraxis erfährt jedoch die organisationale Umgestaltung eine geringe Bedeutung. Obwohl das Category Management eine aufbauorganisatorische Neuausrichtung durch die Einführung eines Category Managers impliziert, sind nur in wenigen Unternehmungen wie beispielsweise ALBERT HEIJN B.V., Zaandam/Niederlande, grundlegende Strukturveränderungen vorgenommen worden.60) Zumeist ist das Category Management in Stabsstellen oder Projektteams verankert. Gegenüber diesen wenigen Vorteilen ist eine Vielzahl an Nachteilen zu berücksichtigen:
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| 5.3 Fazit Vergleicht man die Leistungsfähigkeit des Category Managements aus Handels- und Herstellersicht, so wird deutlich, dass eine derartig enge Verzahnung angesichts der systemimmanenten Zielkonflikte nur bei extremer Ungleichverteilung der Autonomie realisiert werden kann:
Der Handel wird seine gewinnbestimmenden Komponenten offen legen müssen62)
oder:
fördert - nach Karsten Boegel, Procter & Gamble, die
Loyalität gegenüber einer Marke (...) auch die Loyalität zu einem bestimmten Laden und umgekehrt?63) | ![]() |
| 6. QUELLENVERZEICHNIS 6.1 Verarbeitete Literaturquellen Behrends, Christian (1994): Handel und Hersteller in Kompetenzpartnerschaft, in: asw, 37. Jg. 1994, Nr. 10, S. 108 - 114. Bruin, Fred (1994): Category-Management bei Albert Heijn, in: DIH, 38. Jg. 1994, Nr. 6, S. 2 -6. De Vries, Jos; Wetzels, Rob (1994): Vom Bestands- zum Category-Management, in: DIH, 38. Jg. 1994, Nr. 1, S. 39 - 42. Deutsch, Christian; Groothuis, Ulrich (1996): Logistik: Großer Vorsprung, in: WiWo, o. Jg. 1996, Nr., 9, S. 80 - 83. EU, Kommission der Europäischen Gemeinschaften (1998): Fusionsverfahren Spar/Pfannkuch, Verordnung (EWG) Nr. 4064/98 aus Fusionsverfahren, Brüssel 1998. Gerling, Michael (1994): Category-Management - ein neues Erfolgskonzept?, in: DIH, 38. Jg. 1994, Nr. 6, S. 7 - 11. Gerling, Michael (1994): Category-Management - ein neues Erfolgskonzept?, in: DIH, 38. Jg. 1994, Nr. 6, S. 7 - 11. Hahne, Henric (1995): Category Management, in: DBW, 55. Jg. 1995, Nr. 6, S. 799 - 801. Hahne, Henric (1995): Category Management, in: DBW, 55. Jg. 1995, Nr. 6, S. 799 - 801. Hinterhuber, Hans H. (1989): Strategische Unternehmungsführung, Bd. 2: Strategisches Handeln, 4. A., Stuttgart 1989. Juckl, Hilmar (2002): Category Management, in: Leistungsumfang der BBE, URL http:// www.bbeberatung.com/BERATUNG/cat_manage.htm# Kaleck, Peter G. (1995): Continous Replenishment. Ein Fallbeispiel aus dem Handel, in: DIH, o. Jg. 1995, Nr. 11, S. 28 - 30. Milde, Heidrun (1994): Category Management - die stille Revulotion, in: Markenatikel, 56. Jg. 1994, Nr. 7, S. 343 - 346. Milde, Heidrun (1996): Kategorie-Management in der Praxis, in: Marktforschung und Management, o. Jg. 1996, Nr. *, S. 10 -17. Möhlenbruch, Dirk (1994). Sortimentspolitik im Einzelhandel. Planung und Steuerung, nbf 131, Wiesbaden 1994. Möhlenbruch, Dirk; Nickel, Sylvia (1995): Innovationen und Informationsmanagement - Ansatzpunkte zur Entwicklung innovativer Strategien im Einzelhandel, in: Trommsdorff, Volker / Forschungsstele für den Handel Berlin e.V. (FFH): Handelforschung 1995/96, Wiesbaden: Gabler 1995, S. 107 - 122. Nielsen Marketing Research (1992): Category Mangement. Positioning your Organisation to win, Chicago/Il.: NTC Business Books 1992. O. V. (2000a): "Day-to-Day"-Category Management, in: ECR-Informationen, URL http:// www.ecr.de/Inhalt/e21/e25/e95. O. V. (2000b): Abschied vom Produkt?, in: Marburger Uni-Journal Nr. 7/2000, S. 2. O. V. (2002c): Professionelle Marketingstrategie: Category Management für Ihre Apotheke, in Wirtschaftsbrief Apotheken, Ausgabe Februar 2002, URL http://www.wba.iww.de/beitraege/ma01_0202.html. O.V. (1993): Gewinne mit System, in: Lebensmittel-Praxis, 45. Jg. 1993, Nr. 21, S. 18 - 26. O.V. (1996a): Teure Miete fürs Regal, in: Spiegel, Nr. 26 / 1996, S. 94 - 99. Pretzel, Jörg (1996): Gestaltung der Hersteller-Handels-Beziehung durch Category Management, in: Markenartikel, o. Jg. 1996, Nr. 1, S. 21 - 25. Rominski, Dietrich (1994): Category Management, in: asw, 37. Jg. 1994, Nr. 7, S. 74 -75. Scheffel, Ute (2002): Category Management Ansatz Lorenz Snack-World, in: Lorenz Snack-World Handelspartner-Promotion, URL http://www.lorenz-snackworld.de/home/de/handelspartner/LEH/CategoryManagement/ render_top. Schröder, Hendrik; Feller, Marc (1999): Category Management: Wieviel Consumer Insight hat der Handel tatsächlich?, in: Publikationen des Lehrstuhls für Marketing und Handel an der Universität-Gesamthochschule Essen, URL http://www.marketing.uni-essen.de Struckmeier, Uwe (1996): Elemente im Vertriebscontrolling bei Markenartikeln, in: Controller Magazin Nr. 1, 1996, S. 20 - 30. Tietz, Bruno (1995 b): Effiziente Kundenpolitik als Problem der Informationspolitik, in: Trommsdorff, Volker; FfH, Berlin e.V. (Hg.): Handelsforschung 1995/96: Informationsmanagement im Handel, Wiesbaden: Gabler 1995, S. 175 - 186. Töpfer, Armin (1995): Efficient Consumer Response - Bessere Zusammenarbeit zwischen Handel und Herstellern, in: Trommsdorff, Volker; FfH, Berlin e.V. (Hg.): Handelsforschung 1995/96: Informationsmanagement im Handel, Wiesbaden: Gabler 1995, S. 187 - 200. |
| Halle, im August 2002 Sylvia Nickel |
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